Motorradtransport per Luftfracht von Südamerika (Chile) nach Deutschland

Wer mit dem eigenen Motorrad in Südamerika unterwegs ist, muss sich auch um den Rücktransport nach Europa kümmern.
Mag Luftfracht vor einigen Jahren noch deutlich teurer als Seefracht gewesen sein, lohnt sich nun ein genauer Vergleich – denn oftmals ist Luftfracht sogar günstiger!

Ich habe mich relativ früh für Santiago de Chile als Abflughafen entschieden. Viele Motorradreisende verschiffen ihr Motorrad per Seefracht nach Valparaiso zur Villa Kunterbunt, nur rund 100 Kilometer entfernt von Santiago. Die Transportkiste kann dort eingelagert werden, Martina und Enzo kümmern sich um die Organisation, den Papierkram und die Verpackung des Bikes. Die Laufzeit der Kiste von Valparaiso nach Deutschland beträgt rund 4 Wochen, die Gesamtkosten liegen je nach Größe des Motorrades bei rund 1800 $. (Die reinen Frachtkosten belaufen sich zwar nur auf rund 900 $, mit allen Zuschlägen und Hafengebühren in Hamburg liegt man letztendlich aber bei 1800 $). Dazu kommt noch, dass man das Motorrad aus Hamburg abholen muss. Je nachdem, wo man wohnt, muss man dafür durch die halbe Republik fahren, was mit einem eventuell gemieteten Transporter nicht billig ist. Auch ich habe überlegt, ob ich das Motorrad mit der Villa per Seefracht nach Deutschland schicke, mich dann aber dagegen entschieden, weil für mich die Vorteile der Luftfracht überwiegen.

Ich habe noch bei anderen Anbietern in Deutschland angefragt, aber derart unqualifizierte Antworten und überzogene Preise angeboten bekommen, dass ich mich ziemlich schnell für Luftfracht entschieden habe. Ein Anbieter aus dem norddeutschen Raum hat sich eine Woche lang gar nicht gemeldet, dann meine Fragen nicht konkret beantwortet und schließlich gemeint, der Seefracht-Transport sei so teuer, weil man in Buenos Aires so viele Leute bestechen muss. Jeder möge sich dazu seine eigene Meinung bilden…

Lufthansa gilt als ziemlich teuer, zumindest was Personenflüge angeht. Fragen kostet aber nichts, also habe ich mich an LH-Cargo gewendet und um ein Angebot für den Motorradtransport gebeten. LH-Cargo in Deutschland gab mir den Kontakt von LH-Cargo/Ultramar in Santiago und nach ein paar Mails und einem Angebot war die Sache organisiert. Pedro und/oder Mauricio Acevedo können beide gut Englisch und haben sich um den Transport gekümmert.
LH-Cargo fliegt fünfmal wöchentlich von Buenos Aires nach Frankfurt; der Zubringerflug von Santiago nach BA wurde mit Air Canada abgewickelt.
Die Sache läuft ziemlich einfach ab: Kontaktaufnahme, Termin abmachen, Motorrad zum Flughafen bringen, Papierkram erledigen, zahlen – fertig.

Ein paar Stolpersteine gibt’s aber, daher hier der Ablauf in Santiago.

Man fährt zum Cargo-Terminal des Flughafens und lässt sich vom Zoll am Eingangstor einen Stempel geben, mit dem man auf das Cargo-Gelände darf. Ein paar hundert Meter weiter befindet sich eine riesige Lagerhalle, in der viele Frachtfirmen residieren. Das Motorrad muss in einem „Import-Warehouse“ abgegeben werden, LH-Cargo hat mir dafür die Firma Depocargo empfohlen. Für das Unterstellen wird eine Gebühr fällig, die sich nach dem Wert des Motorrades berechnet. Je weniger man angibt, desto günstiger wird es; ich habe für zwei Tage rund 80 US-$ bezahlt.

Im Büro von Ultramar/Lufthansa erledigt man dann zusammen mit Pedro/Mauricio Acevedo den Papierkram: Die Airwaybill wird erstellt, das Dangerous-Goods-Zertifikat (man muss unterschreiben, dass der Tank leer ist), und dann muss der Zoll das Temporary Import Permit canceln, damit das Motorrad ausgeführt werden darf.
Die Sache mit dem Zoll war etwas umständlich, was aber an der Unwissenheit der Beamten lag. Zuerst lief ich mit Mauricio zu zwei oder drei Zollbüros, in denen keiner so richtig wusste, was zu tun war (obwohl das ganz einfach ist…) und wir immer zum nächsten Büro geschickt wurden. Mauricio war sich sicher, dass zum Ausführen eine Exportbescheinigung nötig wäre. Ich versicherte ihm, dass ich noch nie eine gebraucht habe während der vergangenen 9 Monate und in den 14 Ländern, und auch nicht beim Luftfrachttransport von Panama nach Kolumbien – es reicht, wenn das Import Permit gecancelt wird. Er meinte, es sei ein Zoll-Agent nötig, der sich darum kümmert. Ich meinte, es geht garantiert auch ohne und bin in Eigeninitiative nochmal zum Zollbüro am Eingang des Cargo-Terminals gegangen. Dort habe ich endlich einen fähigen Beamten gefunden und ihn gebeten, doch mal zum LH-Cargo-Büro mitzukommen. Der Beamte hat dann Mauricio erklärt, dass tatsächlich keine Exportbescheinigung nötig ist und es reicht, das Permit zu canceln. Nachdem die Airwaybill ausgestellt war und das Motorrad bei Depocargo in der Halle stand, hat der Zollbeamte seinen Stempel auf das Permit gesetzt und die Sache war erledigt. Merke: es ist definitiv keine Exportbescheinigung nötig!

Wie schon in Panama muss auch hier die Frachtrate bar gezahlt werden. Dumm nur, dass mir das Mauricio nicht vorher per Mail schon mitgeteilt hatte. Natürlich hatte ich keine 1798 $  in der Tasche – so viel kostet der Transport all inclusive (1250 $ Fixkosten pro Palette/Kiste plus Gebühren je nach Gewicht – je leichter das Bike, desto billiger; ich habe 260 Kilogramm angegeben). Gleich gegenüber vom Cargo-Terminal befindet sich eine Filiale der Santander-Bank, in der es zwei Geldautomaten gibt. Leider liegt das Tageslimit pro Karte bei 200.000 chilenischen Pesos, rund 400 $. Mit zwei Karten bekam ich gerade mal etwas weniger als die Hälfte, und musste am nächsten Tag nochmal hin, um den Rest zu bezahlen. Merke: besorge das Geld schon ein paar Tage vorher!

Die Dokumente sind fertig, der Transport ist bezahlt, der Abflug-Termin bestätigt, dann kann es ja losgehen, oder? Nicht ganz. Das Motorrad muss natürlich auf eine hölzerne Palette gestellt werden und Mauricio ist davon ausgegangen, dass die Jungs von Depocargo das bereits erledigt haben. Haben sie aber nicht und der Security Officer hat den Transport logischerweise zunächst verweigert. Also mussten die Jungs das Bike jetzt doch noch auf eine Palette stellen, und dann ging alles glatt. Das hat in Summe ein paar Stunden Verzögerung verursacht, war aber kein Problem. Für das Verpacken berechnete Depocargo 140 $, die von Lufthansa ausgelegt wurden (ich war ja nicht mehr da) und die ich in Frankfurt bezahlen muss, wenn ich das Bike abhole. In Summe werden also 2020 $ fällig – ein fairer Preis, wenn man bedenkt, dass Seefracht je nach Anbieter fast genauso viel oder sogar mehr kostet, Luftfracht aber deutlich schneller ist.
Ich würde mich immer wieder für Luftfracht entscheiden, weil es schneller und bequemer ist und ich das Motorrad in Frankfurt abholen kann, nicht in Hamburg. Die komplette Abwicklung lässt sich bequem an einem Tag erledigen – wenn man die Kohle gleich in bar dabei hat.
Meine Meinung teilen übrigens auch andere Motorrad-Reisende, die ich unterwegs getroffen habe und die vom Seefracht-Transport ebenfalls nicht sehr überzeugt waren.

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